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Diagnose: Geduld haben.

VON CHRISTA BURKHARDT

Wenn ich zum Arzt gehe, dann will ich einen Satz ganz bestimmt nicht hören: ?Wir warten mal ab.? Wenn ich zum Arzt gehe, will ich ihn handeln sehen. Ich will Untersuchungen, ich will ein Rezept und ich will, dass meine Krankheit einen Namen bekommt. Normalerweise kriege ich das auch. Gut beraten bin ich damit nicht.

 

COBURG ? Zeit nehmen, sich Zeit lassen, den richtigen Zeitpunkt des Handelns abwarten, das sei echte ärztliche, das sei Heilkunst, sagt Dr. Peter Dahlem, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Coburg.

 

?Milliarden könnten im Gesundheitswesen gespart werden, wenn man sich mehr Zeit lassen würde?, sagt Dahlem. Zu schnell und damit unnötig verschriebene Antibiotika oder vorschnell angeordnete aufwändige Untersuchungen nennt der Kinderarzt als Beispiele.

 

Die Empfehlung ?Wir warten mal ab?, sei alles andere als ein Zeichen der Unfähigkeit eines Arztes. ?Strukturiertes Abwarten nach einer ausführlichen Anamnese, kontinuierliche Beobachtung und Handeln erst im richtigen Moment ist zwar aufwändiger für alle Beteiligten, spart aber sowohl Kosten als auch unnötige Untersuchungen?, sagt Dahlem und fügt hinzu: ?Die Patienten müssten das aber wollen.?

 

Und in Dahlems Fachgebiet nicht nur die, sondern auch und vor allem deren Eltern. Alltag in der Kinderarztpraxis: Ein fiebernder Säugling kann sich nicht äußern. Die Mutter hat Angst. Medikamente für das Kind beruhigen die Mutter. Aber braucht das Kind sie tatsächlich? Ein Dilemma in der Kinderheilkunde. Aber nicht das einzige.

 

Dahlem: ?Gerade in meinem Fachgebiet ist die Zeit ein wichtiges Diagnosemittel. Viele Krankheiten definieren sich über die Zeit. Deshalb empfehle ich allen Berufsanfängern zunächst die oft enorme Spannweite der Normalität zu verinnerlichen.? Ein paar Beispiele: Ein gestillter Säugling kann zehnmal am Tag oder einmal pro Woche Stuhlgang haben. Ein Kind läuft mit zehn Monaten, ein anderes mit 16. Der erste Zahn kann nach vier Monaten oder erst zum ersten Geburtstag durchbrechen.

 

?Wenn ich diese Spannweite kenne, weiß ich viel besser, wann ich zu reagieren habe und wann zu warten. Ein Hautausschlag bei einem zehn Monate alten Kind ist etwas ganz anderes als der gleiche Hautausschlag bei einem Zehnjährigen?, sagt der Kinderarzt. Natürlich sei sein Fachgebiet besonders ?zeit?-abhängig. Aber auch in vielen anderen Bereichen der Medizin spiele die Zeit, der Zeitpunkt der Diagnose, der zeitliche Verlauf einer Krankheit eine wichtige Rolle.

 

Je früher ein Krebs erkannt wird, desto besser die Prognose. Das weiß jeder, der die Früherkennungsprogramme in Anspruch nimmt. Aber Krebs ist nicht gleich Krebs. Prostata-Krebs, zum Beispiel, wächst in der Regel sehr langsam. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein 80-Jähriger mit der Diagnose Prostata-Krebs an diesem Krebs stirbt, ist viel niedriger als die, dass er eines natürlichen Todes stirbt. Warum also diesen Menschen den Strapazen zum Beispiel einer Operation aussetzen?

 

Andererseits: Die Menschen werden immer älter. Was also tun, wenn Prostata-Krebs bei einem 65-Jährigen diagnostiziert wird? Handeln oder abwarten?

 

Aber nicht nur für die Therapie spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Auch für die medizinische Qualität. Übermüdete Ärzte und deren drohende Fehleinschätzungen auf Grund der üblichen 36-Stunden-Schichten in Krankenhäusern wurden in den aktuellen Gehaltsverhandlungen ausreichend diskutiert. Dahlem kennt das Procedere aus eigener Erfahrung und räumt auch mögliche Qualitätsunterschiede ein, ob ein Patient nach sechs oder nach 30 Stunden Dienst die Dienste bzw. Künste des Diensthabenden Arztes in Anspruch nimmt.

 

Trotzdem sagt er: ?Mit dem neuen Arbeitszeitgesetz wird die medizinische Qualität sinken. Denn wir werden dann ? zumindest wenn wir das fachlich einwandfrei über die Bühne bringen wollen ? statt nach 36, alle acht Stunden aufwändige und zeit-intensive Übergaben von Arzt zu Arzt haben. Zeit, die von der individuellen Betreuung der Patienten abgeht.?

 

A propos Qualität: Nicht nur bei den oft kritisierten 36-Stunden-Schichten der Ärzte stimme das Potenzial nicht mit der Realität überein. Dahlem: ?Den optimalen Leistungskurven nach müsste die Schule um 10 und nicht um 8 Uhr beginnen.? Dabei ging schon beim 9-Uhr-Vorschlag aus dem Kultusministerium ein Aufschrei des Entsetzens durch das Land.

 

Auch der Abrechnungsmodus der Krankenkassen und damit des Gesetzgebers lässt häufig nicht den nötigen Spielraum. Weder zeitlich noch finanziell. Dahlem: ?Wenn ich viel Zeit für die Anamnese aufwende, sind (teure) Untersuchungen oft gar nicht mehr notwendig.? ? Problem: Die Untersuchungen kann er abrechnen, das ausführliche Gespräch mit den Eltern aber nicht.

 

Die Medikamente für ein Kind zahlt die Krankenkasse. Dafür ist ein Klinikaufenthalt oft unvermeidlich. Dafür gibt es Pauschalen. Gerade in so einem Fall aber sei die menschliche Betreuung, die Ablenkung des Kindes von seiner Krankheit, die Aufrechterhaltung seiner sozialen Kontakte, einfach möglichst viel Normalität während der Genesung mindestens genauso wichtig wie Verbandsmaterial und Antibiotika. Dafür gibt es nichts. Leider.

 

Aber nicht nur stationär, auch ambulant könnte und sollte im Interesse der kleinen Patienten anders gearbeitet werden, sagt Dahlem: ?Die optimale Kinderarztpraxis sähe meiner Ansicht nach so aus: Ein Platz, an dem man sich unterhalten kann, aber kein einziges medizinisches Gerät. Höchstens ein Stethoskop. Und viel Zeit, um miteinander Vertrauen und Warten zu lernen.?


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