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Ganz exakt die Zeit verrinnen lassen

Foto: TAB

VON TIM BIRKNER

COBURG - Seine Augen leuchten. Er drückt mit dem Zeigefinger auf die goldene Taschenuhr, und sie beginnt zu läuten. Erst die Stunden, dann die Viertelstunden. Wie eine Kirchturmuhr, nur in ganz klein. "Das ist ein Viertel-Repetierer mit Schlagwerk und Zylinderhemmung", sagt Stefan Stahl.

Das Schlagwerk haben sich Uhrmacher vor 200 Jahren ausgedacht. Die Angst vor Dieben war der Grund. Man drückte im Verborgenen auf den Knopf und bekam dann die Uhrzeit geschlagen.

So konnte niemand ihre wertvolle Uhr sehen. "Doch wer sie schlagen hörte, wusste natürlich auch gleich, dass eine wertvolle Uhr in der Tasche steckt", schmunzelt Stahl. Er ist Uhrmachermeister und sein Beruf ist seine Leidenschaft, denn in jeder Uhr tickt eine Geschichte.

Natürlich lebt er davon, Uhren zu verkaufen, doch diese goldene Taschenuhr ist unverkäuflich. Aufgezogen wird sie mit einer kleinen Ratsche, golden und in Form eines Revolvers. "Mein Vater und ich, jeder von uns hat drei Wochen Arbeit in die Uhr gesteckt, bis wir sie wieder am Laufen hatten." Jedes Teil im Inneren kann Stahl von Hand herstellen.

Gut ein Dutzend solcher Uhren besitzt Stahl. Mechanische Uhren, Funkuhren, Quarzuhren. Keine davon wird er je verkaufen, weil jede ihre Geschichte hat, Erinnerungen weckt. "Diese Funksolaruhr habe ich von meinem Vater zu unserem 100-jährigen Firmenbestehen geschenkt bekommen", erzählt er beispielsweise. Oder die Porsche Design Automatic PAC, die er derzeit trägt. "Das ist meine momentane Lieblingsuhr, auf die ich lange gespart habe."

Eine Uhr muss für Stahl zeitlos schick sein: "Ich will sie ja auch noch in sechs Jahren tragen können." Uhren sind sein Leben. Wenn er nicht für Kunden arbeitet, arbeitet er eben für Uhren, die es ihm Wert sind. Zum Beispiel die Kirchturmuhr in seinem Schaufenster. Mit viel Liebe hat er die Uhr des Coburger Großuhrmachers Friedrich Reeg (1838 bis 1910) wieder gangbar gemacht. Er hat sich viel Zeit dafür genommen, ein Vierteljahr insgesamt. Zum Beispiel die Kirchturmuhr aus Sonneberg, die er im Gebälk des Turmes vorsichtig auseinanderschraubte und in Einzelteilen abseilte. Sie steht nun in seinem Gewölbekeller in der Spitalgasse ganz unten und wartet. Wartet, bis Stahl Zeit findet, sich ihrer anzunehmen. Der volkseigene Betrieb, der sie baute, integrierte sogar einen Gärtnerrechen in die Mechanik. Stahl wird auch aus diesem Ungetüm wieder ein Schmuckstück machen.

Stahl arbeitet akribisch daran, seinen Kunden die Zeit in möglichst gleich große Teile zu zerstückeln. Exakt gleich große Teile. Bei einer Zylinderuhr, die vor 200 Jahren entwickelt wurde, darf die Toleranz eine Viertelstunde am Tag betragen. "Bei einer Schweizer Ankerhemmung dürfen es maximal fünf Sekunden am Tag sein", so Stahl.

Der neueste Messcomputer ermittelt, ob die getesteten Uhren richtig ticken. Wie Herztöne kann Stahl das Ticken verstärken. Laut und deutlich hört dann jeder, ob die Uhr richtig rund läuft. Der Messstand weiß es noch besser. Auf die Millionstel-Sekunde genau zeigt er dem Uhrmachermeister an, wie groß die Abweichung ist. Ganz genau wird es nie gehen, aber die Toleranzen, die Stahl zulässt, sind gering. "Fünf µ, das sind millionstel Sekunden, das ist in Ordnung", liest Stahl ab. Je teurer die Uhren sind, desto mehr Wert wird auf absolute Genauigkeit gelegt.

"Wer eine teure Uhr trägt, hat auch nicht mehr Zeit", weiß Stahl und fügt schnell an: "Nur Rentner haben vielleicht etwas mehr Zeit." Trotzdem macht es ihm Freude, sonntags vor seiner Sammlung an Trageuhren zu stehen und zu überlegen, welche es heute sein darf. Eine teure Uhr bringe dem Träger das Gefühl, etwas Besonderes am Arm zu tragen. Stahl erzählt gleich von der Handarbeit, die in den Uhren steckt. Handarbeit, die er aus seiner Werkstatt kennt. Doch die großen Uhrenhersteller arbeiten in Reinräumen. "Das wäre nichts für mich, den ganzen Tag eingehüllt in diese Ganzkörperkondome." Rein, exakt und teuer, doch wie schnell oder wie langsam für den Träger die Zeit verrinnt, wissen die Schmuckstücke nicht.

"Wie schnell für einen selbst die Zeit vergeht, hängt von der Lebensphase ab", meint Stahl. Er selbst empfindet, dass seine Zeit gerade sehr schnell vergeht. Das Geschäft, die Werkstatt, die Leidenschaft. Seinen Kindern hingegen gibt er viel Zeit. Viel Zeit, in der sie sich überlegen können, ob sie selbst einmal in den Familienbetrieb einsteigen wollen. Ob sie selbst Uhrmachermeister oder Goldschmiedemeister werden möchten. Die Entscheidung soll die Zeit bringen und nicht die Familie fällen. "Meine Eltern haben mich nie unter Zeitdruck gesetzt, in das Geschäft einzusteigen", sagt Stahl im Rückblick. "Ich habe mir nie etwas anderes vorstellen können."

Das Geschäft mit der Zeit ist zeitlos. Seit Generationen ist in dem Familienbetrieb die Zeit stehen geblieben: Nicht in der Technik, nicht in der Größe. Aber die Leidenschaft, die Augen funkeln lässt, ist ganz die alte.

August 2006


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