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Schön, wenn einer darüber spricht

Ronald Braun hält den kleinen weißen Stein in der Hand, den er auf einer Motorradtour fand. Er färbt sich blau, wenn er nass wird. Das Andenken liegt auf dem Grab seines Sohnes Sven. FOTO: TIM BIRKNER

28. April 2007

 

 

VON TIM BIRKNER

LECHENROTH - Sven sollte einmal den Hof übernehmen. Das war der Plan, wie ihn viele Eltern schmieden. Doch heute plant Vater Ronald nicht mehr, er macht. Er fährt Motorrad und sein Sohn ist immer mit dabei. Ein Farbfoto von Sven, das entstanden ist, weil auf dem Urlaubs-Film noch Platz war.
Das war vor fünf Jahren und Ronald und Christine Braun kamen aus den Flitterwochen ihrer Silberhochzeit. Eine Woche später, am 4. August 2002, verunglückte Sven.
In einer Kurve, die man eigentlich gut einsehen kann, stieß er mit einem entgegenkommenden Pkw zusammen. "Vielleicht war das Auto ein wenig zu weit außen oder Sven ein wenig zu weit innen", sagt Ronald Braun. Er macht niemandem Vorwürfe, er trauert.
Und das Trauern fängt mit dem Motorrad an. "Ich muss für meinen Sven wieder auf die Maschine steigen, das bin ich ihm schuldig", sagt der Vater. Und als er im Frühjahr sein "Mopped", wie er es nennt, aus der Garage holte und die erste Runde drehte, hielt er an der Unfallstelle. "Ich ließ den Motor laufen und sagte zu Sven: Hörst du wie sie schnurrt?"
Dort, zwischen Seßlach und Dietersdorf, wo heute das kleine Eichenkreuz steht, hält Ronald Braun immer. "Ich kann da nicht vorbeifahren", sagt er. Der Vater spricht mit seinem Sohn viel und häufig. Und Silvester feiern sie stets zusammen. Ein paar Raketen am Grabstein, ein gutes Gespräch und dann zu Hause Fernsehen bis in die frühen Morgenstunden, weil er nicht einschlafen kann. So sieht der Jahreswechsel für Ronald Braun seit fünf Jahren aus.
Seit fünf Jahren liegen auf Svens Grab immer frische Blumen. Jeden Tag zündet der Vater ein Grablicht an. Jeden Tag geht er auf den Friedhof, nur ein paar Häuser weiter. Für Ronald Braun sind Friedhöfe wichtig geworden. Auch wenn er unterwegs ist, besucht er Friedhöfe, schaut Grabsteine an.
Auf dem Grabstein von Sven liegen Mitbringsel von Vaters Motorradtouren. Zum Beispiel ein kleiner weißer Stein, der sich bei Regen blau einfärbt. Oder ein Lederbändchen mit Franz von Assisi auf einem kleinen Amulett. Es stammt von einer Motorradwallfahrt, die Ronald Braun 2003 zum ersten Mal mitfuhr. Incognito. Niemand wusste um seine Trauer. Und Sven fuhr vorne im Visier mit. Luka, die damals 16 war, war neugierig genug zu fragen, wer das sei. "Dann ist sie im Wald verschwunden und kam mit einem geflochtenen Kreuz für Sven wieder." Bei den Worten bekommt Ronald Braun glasige Augen. - Anteilnahme, das ist das, was stärkt. Und das, was für Außenstehende so unglaublich schwer ist. Sie schweigen lieber. "Wenn einer darüber spricht, das freut einen", sagt Braun.
In der Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern hat er Menschen gefunden, denen es geht wie ihm und seiner Frau. Menschen, die trauern. "Die einen sind schon etwas weiter, die anderen stehen erst am Anfang", erlebt er dort. Und er beobachtet, dass Männer anders trauern als Frauen: "Die Männer stürzen sich in die Arbeit und versuchen, das zu verdrängen. Ich habe das auch so gemacht. - Es war ein Fehler. Ich hätte bei meiner Frau sein sollen."
Heute ist der 51-Jährige seinen Job los, weil er trotz Urlaubssperre an einer Motorradwallfahrt teilgenommen hat. Ronald Braun plant nicht mehr, er macht. Seine Prioritäten setzt er anders als früher. "Unsere Ehe ist viel stärker geworden. Wir haben schon soviel gemeinsam durchgemacht." Auch Svens Freunde spielen da eine wichtige Rolle. An Svens Geburtstag trifft er sich mit der ehemaligen Clique auf dem Friedhof zu einer kleinen Feier. Dann trinken sie ein Bier zusammen und auch Sven bekommt seine Halbe. Jetzt erst, nach fünf Jahren, werden es allmählich weniger. Die Eltern stellen ihm blaue Rosen aufs Grab und zünden Kerzen an.
Ab und zu liegen immer noch Blumen am Grab, die von einem Unbekannten stammen. Ein Rätsel, das Ronald Braun beschäftigt. Alle hat er schon gefragt, ein Nachbar hatte einen Hinweis. Er hat einmal ein fremdes Motorrad zum Friedhof hochfahren sehen. Vielleicht eines, bei dem auch ein Bild von Sven im Visier steckt. Vielleicht eines, das Sven auch gern schnurren hört.


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Nicht jeder trauert gleich

Klinikseelsorger Stefan Alkofer

Welche Hilfe können Sie trauernden Eltern anbieten?

Für Eltern, deren Kind stirbt, ist dieser Verlust ein schrecklicher Einbruch. Gerade in dieser Situation brauchen sie besondere Hilfe. Da ist wirkliche Sensibilität und Einfühlungsvermögen gefragt. Mir ist es wichtig, dass Menschen den Weg zu ihrer eigenen Trauer finden. Nicht jeder trauert gleich. Dazu hilft das miteinander Reden und auch das gemeinsame Gebet. Aber das ist eben individuell verschieden. Ich versuche auch auf die Selbsthilfe-Gruppe der "verwaisten Eltern" aufmerksam zu machen. Diese Gruppe bietet eine wichtige Hilfestellung und wir arbeiten eng zusammen.

Was unterscheidet die Trauer um die eigenen Kinder von einer Trauer um den Partner oder die Eltern?

Wenn ich einen Menschen verliere, den ich wirklich geliebt habe, dann bedeutet das immer einen tiefen Schmerz, ob Kind, ob Eltern oder Partner. Aber es gibt einen Unterschied, den ich an einem Spruch aufzeigen möchte: "Wenn die Eltern sterben verlieren wir unsere Vergangenheit, wenn unsere Kinder sterben unsere Zukunft..." Deswegen kommt neben der Verzweiflung, dem Gefühl der Einsamkeit oft ein großes Schuldgefühl auf, als Eltern versagt, etwas falsch gemacht zu haben. Wir Eltern fühlen uns ja ein Leben lang für unsere Kinder verantwortlich. Damit umgehen zu lernen, ist eine Herausforderung.

Wie kann man als Außenstehender Trauernden am besten helfen?

Als Außenstehender kann man am besten helfen, wenn man ehrlich seine eigene Hilflosigkeit zugibt. Wer selbst noch kein Kind verloren hat, wird das Ausmaß dieses Schmerzes kaum richtig erfassen können. Deshalb können auch gut gemeinte Trostworte - "das wird schon wieder ... Zeit verheilt Wunden ... Du hast doch noch ein Kind..." - eher wie ein Vorwurf klingen, als das sie Trost spenden. Fragen Sie den Betroffenen, ob und wie Sie ihm helfen können. Wenn Sie es ehrlich meinen, wird er es spüren und Ihnen antworten. Wichtig sind kleine Zeichen der Aufmerksamkeit, eine persönliche Karte, eine Blume... Sie setzen Signale und lassen Anteilnahme erkennen.

Selbsthilfegruppe

Die Selbsthilfegruppe ?Verwaiste Eltern? trifft sich einmal monatlich in Coburg. Treffpunkt am 2. Mittwoch des Monats um 20 Uhr ist das Familienzentrum in der Judengasse 46-48. Ansprechpartnerinnen sind Rosemarie Kohles 09561 60009 und Helga Knirsch 09563 1876.

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