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Musik aus dem eigenen Garten

Das Holz, aus dem die meisten Sopranblockflöten sind: heimischer Birnbaum. Bild: TIM BIRKNER

8. August 2007

VON CHRISTA BURKHARDT

Jeder kennt sie, nicht jeder mag sie, fast jeder hat sie als Kind selbst gespielt. Manchem klingt sie zu schrill, und quietschen kann sie auch: die Blockflöte. Ein hohles Stück Holz, das klingt, wenn man hineinbläst. Klein und sehr, sehr alt.

COBURG ? Und zwar nicht nur deshalb, weil es Blockflötenfunde aus dem Mittelalter gibt. Flöten ? mehr oder weniger gut erhalten ? die genau so (auf)gebaut sind wie heutige Blockflöten: Sie stimmen und klingen, weil sie einen berechneten Windkanal haben, dem ein hölzerner Block im Mundstück seinen Charakter verleiht.

Ohne Block klingt die Flöte nicht. Deshalb heißt sie Blockflöte. Blockflöten haben außerdem Grifflöcher für sieben Finger in einer mehr oder weniger regelmäßigen Reihe und ein achtes auf der Rückseite für den Daumen, mit dem der Spieler die Oktave wechseln kann.

Ein altes Prinzip, das heute noch in eben dieser Form in zahlreichen Grundschulklassenzimmern im ganzen Landkreis und im Anfangsunterricht vieler Musikschulen von Kindern angewandt wird. Sie lernen, Blockflöte zu spielen. Denn die Blockflöte ist ein Kinderinstrument - meint man. Masern, Mumps und Blockflötenunterricht, da müssen alle Kinder durch. Es gibt wohl kaum ein Instrument, das so verkannt wird.

Aber nicht nur das Prinzip der Blockflöte, auch jedes Instrument, das man heute neu im Laden kaufen kann, ist schon sehr alt. Und es hat schon so Manches erlebt, lange bevor der erste Flötenton erklingt. Denn fast jede Blockflöte aus heimischem Holz beginnt ihr Dasein auf einer Obstwiese. Als Pflaumenbaum zum Beispiel oder noch häufiger als Birnbaum. Zwei etwa gleich starke junge Bäumchen, Reiser oder Wildling genannt, werden vereint, sodass ein veredelter Baum weiter wächst. Etwa acht Jahre dauert es, ehe dieser Baum das erste Mal Früchte trägt. Den Stamm kann ein Erwachsener da noch leicht mit einer Hand umfassen, so schlank ist er. Zu schlank, um eine Blockflöte daraus zu bauen.

Wenn man diesen Birnbaum nun in den folgenden Jahren und Jahrzehnten wenig schneidet, trägt er besser. Das freut den Obstbauern. Wenn man ihn viel schneidet, entwickelt der Baum einen dicken Stamm und ein gutes Astgerüst. Das freut den Instrumentenbauer. Denn es ist die Grundvoraussetzung dafür, dass ein Birnbaum von der heimischen Streuobstwiese eines (fernen) Tages als Blockflötenholz in Frage kommt.

?Den Kern, also den jüngsten Teil des Stammes, können wir nicht verwenden, und die Rinde mit den äußeren vier bis acht Zentimeter auch nicht?, sagt Blockflötenbauerin Vera Morche. ?Innen und außen ist das Holz besonders anfällig für Risse.? Und nichts fürchten Blockflötenbauer und Flötenspieler so sehr wie Risse im Holz. Da muss ein Baumstamm schon ganz schön dick sein, damit bei so viel Verschnitt ein ausreichend großes und wenig rissanfälliges Kantholz für ein Musikinstrument übrig bleibt. Das heißt, so ein Baum muss mehrere Jahrzehnte alt sein, bevor er für den Blockflötenbauer gefällt werden kann.

Und der weiß durchaus, was er hat an seinem Holz. Vera Morche spricht ehrfürchtig von ihrem Werkstoff. ?Wir verwenden die qualitativ besten Hölzer, die es gibt, und davon nur die besten Teile. Da tut es mir stets weh, wenn ein Rohling bei der Bearbeitung reißt. So tolles Holz und doch aus Flötenbauersicht Ausschuss. Aber damit müssen wir leben. Holz ist ein lebendiger Stoff. Da weiß man nie, worauf man sich einlässt.?

Wenn die Anfänger im Herbst ihren Sopranflöten unbeholfen die ersten Töne entlocken, hat das Holz ihres Instruments schon ein ganzes Birnbaumleben hinter sich und so manches Jahr Früchte getragen. Früchte, die möglicherweise schon ihre Großeltern als Kinder aufgegessen haben.

Und auch nach dem Fällen des Baumes ist es noch ein langer Weg bis zum voll funktionstüchtigen Musikinstrument. Denn schöner Klang braucht Zeit.


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