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Alles inklusive: Manieren und Sozialverhalten frei Haus

15. August 2007

VON CHRISTA BURKHARDT

In vielen Familien bleibt die Küche kalt. Und zwar nicht ausnahmsweise, sondern regelmäßig. Familienmahlzeit war einmal. Heute isst man im Stehen und Gehen. Das mag vielleicht den Magen füllen, satt im wahren Sinn des Wortes aber macht es nicht.

 

COBURG ? ?Eine gemeinsame Mahlzeit ist ein Erlebnis, ein umfangreiches Lern- und Abenteuerfeld?, sagt Johanna Ittner, als Referentin für Hauswirtschaft häufig im Landkreis Coburg unterwegs.

?Da geht es um Tischmanieren, um den Umgang mit Messer und Gabel, da bedient man einander, da muss jeder mal warten - und das ist nur die Seite der Mahlzeit, die konkret mit dem Essen zu tun hat. Hinzu kommt noch die Kommunikation miteinander, selbst reden und andere ausreden lassen. Das ist höchste Schulung in Sachen Aufmerksamkeit und Wertschätzung?, fasst Ittner zusammen, was eine gemeinsame Mahlzeit ausmacht.

?Großartig ist es, wenn man auch noch gemeinsam gekocht und liebevoll den Tisch gedeckt hat.? Gemeinsam kochen. Das kommt in den wenigsten Familien vor. Leider. Denn es gibt Kinder, die nicht die Hälfte der üblichen Gemüsesorten an einem Marktstand kennen, geschweige denn wissen, wie man sie zubereitet.

Kinder, die ungläubig staunen, wenn sie sehen, dass man Kartoffelbrei nicht nur aus der Tüte, sondern aus echten Kartoffeln machen kann. ?Wie soll jemand eine Mahlzeit zu schätzen wissen, wenn er weder den Zeit- noch den Arbeitsaufwand der Zubereitung einschätzen kann??, fragt Ittner.

Kalte Küche bedeute deshalb ?einen massiven Einbruch? in vielerlei Hinsicht. ?Man isst nicht gemeinsam, man spricht nicht miteinander. Freude und Leid wird nicht mehr mitgeteilt und kann deshalb auch nicht geteilt werden. Die Chance, Sozialverhalten zwischen Eltern und Kindern, zwischen Geschwistern und eventuell Großeltern bei Tisch zu lernen wird nicht genutzt?, beschreibt die erfahrene Hauswirtschafterin den Wert, den eine gemeinsame Mahlzeit über das Sattwerden hinaus hat.

In der modernen Demenzbetreuung kehrt man zurück zum gemeinsamen Herd und zum großen runden Tisch. Aus der modernen Arbeitswelt sind runde Tische und Arbeitsessen nicht mehr wegzudenken. Durch sämtliche Kindergärten fährt die kleine Ernährungslokomotive, die dem Nachwuchs deutlich machen soll, dass es außer Pommes und Süßigkeiten noch andere Lebensmittel gibt.

Viele Grundschullehrer haben wenigstens einmal in der Woche ein festes gemeinsames Klassenfrühstück eingerichtet. Sie haben die Mahlzeit als unerschöpflich großes soziales Lernfeld erkannt.

?Dieses Lernfeld kann jedoch nur beackert werden, wenn Eltern, Erzieher, Betreuungspersonen und Lehrer auch die nötige Kompetenz mitbringen?, mahnt Ittner an. ?Und die fehlt häufig.?

Die heutige Elterngeneration musste oder durfte einst ihrer Mutter viel zu selten in der Küche helfen. ?Da wurde Wert auf eine möglichst gute Schulbildung gelegt. Grundlegende Fertigkeiten, die jedes Kind früher im eigenen Elternhaus gelernt hatte, blieben auf der Strecke?, kritisiert Ittner. Hauswirtschaftsunterricht täte Not. Aber der fehlt im Lehrplan.

Außerdem ist für viele Eltern die Familienmahlzeit ein rotes Tuch. Da wird erst um die Sitzordnung gestritten und dann um die Größe der Portionen, da schwimmt der Tisch, wenn der Zweijährige wieder mal selbst einschenken will und da wird es laut, weil alle gleichzeitig erzählen wollen. Da wird gelernt fürs Leben, da passieren Pannen wie im richtigen Leben.

Johanna Ittner warnt: ?Eine gemeinsame Mahlzeit ist jedes Mal ein neues Abenteuer. Und sie macht das Leben nicht leichter. Aber sie macht es interessanter.?


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