19. Mai 2006
Malermeister Thomas Piras aus Bad Rodach hat einen der elf Handwerks-Design-Preise gewonnen. Er gestaltete die Fassade eines fast 100 Jahren alten Hauses im alten Stil. Alte Häuser sind die große Leidenschaft des 43-jährigen Malermeisters. "Ein super Haus, eine tolle Kundschaft", schwärmt er über das Haus in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.
Im Zentrum von Bad Rodach steht das 1908 erbaute Haus. Hofbaumeister August Fladt hat es für seine Tochter Agnes gebaut. Seine Enkelin Hedda Appel hat es geerbt und beschlossen im alten Zustand wieder herzurichten. "Mein Großvater war ein gewissenhafter, akurater Mann, der jedem seiner vier Kinder ein Haus gebaut hat." Es sollte ein Haus sein, dass zum jeweiligen Charakter seiner Kinder passte.
Doch an der Fassade geschah fast 100 Jahre lang nichts. Mit Thomas Piras hatte Hedda Appel einen Malermeister gefunden, der die gleiche Liebe zum Detail lebt, wie sie ihr Großvater gehabt haben muss. Sie vertraute ihm und ließ ihm freie Hand.
"So etwas findet man sehr, sehr selten", sagt Piras. Und er machte sich mit aller Leidenschaft ans Werk. Welcher Putz passt zu welchem Untergund? Welche Farben hatte das Haus ursprünglich? Als er es zum ersten Mal sah, war das Fachwerk ohne Anstrich, grau von der Witterung. Der Putz bröckelte. Deutlich zu sehen waren noch die Einschlaglöcher von Granatsplittern. "Das Haus wurde während des 2. Weltkrieges unter Beschuss genommen", erzählt Piras, dem die Geschichte des Hauses ans Herz gewachsen ist.
Zum Beispiel die Ornamente über den Fenstern: Sie sahen aus wie aus Stein gemeißelt. Doch als Piras zum ersten Mal auf dem Gerüst stand, sah er, dass alles aus Putz war. "Da hab ich einen Batzen Putz hin und angefangen mit dieser Spachtel zu modellieren", beginnen seine Augen zu leuchten und er zieht eine kleine Spachtel aus der Hosentasche. Über dem großen Wohnzimmerfenster hat er sogar einen Kopf nachgestaltet. "Ich glaube, das soll Neptun sein", vermutet die Enkelin des Erbauers. An einem der anderen Häuser prangt eine Meerjungfrau. So erschließt sich Hedda Appel die Geschichte - fragen konnte sie ihren Großvater nicht mehr.
"Ich bin immer wieder begeistert", sagt Piras und erzählt von seinen Funden. Unter der Loggia, dort wo Wind und Regen dem Fachwerk nicht ganz so stark zugesetzt haben, entdeckte er noch Farbreste. So konnte er Stück für Stück die Farbgebung komponieren. "Der unterste Sockel ist aus Sandstein, deswegen habe ich unten eine Farbe im Sandsteinton gewählt, die nach oben hin immer heller wird." Bei den Gefachen im ersten Stock wirkt es fast weiß, aber eben nur fast.
"Auf der Meisterschule lernt man sowas nicht", sagt Prias. Dort zähle überwiegend Theorie und am Ende eine praktische Prüfung. "Ich habe mir alles selbst angeeignet", sagt er stolz.
Die Jury des Handwerk-Designpreises würdigte das Kunstwerk von Thomas Piras als "eine absolut gelungene und vorbildliche Sanierung, die Beispiel gebend für das ist, was das Handwerk im Bereich Denkmalschutz zu leisten vermag."