Die große Stille unter dem Schnee
Die Welt der Blaufußindianer
Ein unberechenbarer Vater und ein sadistischer Lehrer, der den Rohrstock lieber benutzt als ein Stück Kreide. Das sind die beiden Erwachsenen, die dem kleinen Hercule das Leben schwer und Kindsein unmöglich machen. Deshalb erfindet Hercule zusammen mit seinem Freund Laclope eine eigene Welt, in der die beiden stark, mutig und unverletzbar sind: die Welt der Blaufußindianer. Es ist die Geschichte einer ganz normalen Kindheit in der französischen Provinz voller Wucht und Poesie. Erwachsene dürfen alles und machen alles richtig. Kinder stören nur in dieser Welt starker Männer, werden herumgeschubst und hart angefaßt. Claude Ponti beschreibt nüchtern und ohne zu werten diese unerschütterliche Welt der Erwachsenen, in der gestritten, betrogen und gesoffen wird und in der für Kinder kein Platz ist. Kein Wunder, daß sich Hercule und Laclope in ihre eigene Welt zurückziehen. In einer Höhle entdecken sie das grausame Geheimnis der Erwachsenen ihres Dorfes aus der Zeit der deutschen Besatzung, von dem natürlich niemand aus dieser sauberen Gesellschaft mehr etwas wissen will. Claude Ponti verpackt sein Thema, die Doppelmoral der Menschen, in eine beeindruckende Geschichte, die aus Hercules Sicht erzählt wird. Und Hercule ist ein guter Beobachter. Sehr genau beschreibt er, was er sieht, aber er urteilt nicht. Mit der Unvoreingenommenheit eines Kindes beobachtet, zweifelt und überlegt Hercule. Innere und äußere Welt vermischen sich. Und am Ende ist die Welt der Blaufußindianer die bessere und ehrlichere.
Claude Ponti: Die große Stille unter dem Schnee (224 Seiten). Piper Verlag München/ Zürich 1998. Nr. 2725. 14,90 DM.